Dr. Tanja Sanders
Zu Hause im Wald
Der Zustand des Waldes liegt der Wissenschaftlerin Tanja Sanders am Herzen. Deshalb sind Monitorings für sie besonders faszinierend. Im Landschaftslabor EiLT testet sie gemeinsam mit einem interdisziplinären Team, welche Erkenntnisse die Gewinnung von Umwelt-DNA bringen.

Zum Wald fand Tanja Sanders nur durch Zufall: Eigentlich wollte die Forscherin in die Entwicklungszusammenarbeit gehen. Doch dann absolvierte sie während ihres Geographie- und Soziologiestudiums an der Universität Bonn ein Pflichtpraktikum, landete bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft – und erlebte dort bei einer Expedition, wie der berühmte Schweizer Jahresringforscher Fritz Schweingruber von Bäumen sprach – wertschätzend und mit dem klaren Auftrag, diese zu bewahren. „Danach bin ich aus dem Wald nicht mehr rausgekommen“, scherzt Tanja Sanders rückblickend. Heute leitet sie am Thünen-Institut für Waldökosysteme den Arbeitsbereich Ökologie und Walddynamik.
Dabei fasziniert sie vor allem das Monitoring: Wie geht es dem Wald und den darin lebenden Arten? Welche Umweltfaktoren wirken auf die Gesundheit der Bäume ein? Und wie verändert sich dieses Ökosystem im Klimawandel? Gemeinsam mit ihrem Team untersucht Sanders etwa, welche Baumarten sich leichter an die Erwärmung anpassen können oder warum bestimmte Wälder anfälliger sind für Brände. Im trockenen Brandenburg hat sie sich zu einer Expertin für Waldbrände entwickelt. Dort sorgen lichte Kiefernmonokulturen, geringe Niederschläge und verrottende Munition im Boden für ständige Waldbrandgefahr. „In den vergangenen 30 Jahren ist die Waldbrandgefahr durch den Klimawandel kontinuierlich gestiegen. Vor allem zwischen März und Juli häufen sich die Brände“, berichtet sie aus der Forschung. Besonders ärgerlich sei, wenn Menschen dann achtlos mit dem Wald umgehen und beispielsweise am Waldrand grillen.
Neben der Entwicklung der Trockenheit wird Tanja Sanders nun in Thünen-Landschaftslabor EiLT die Artenvielfalt einer Landschaft erfassen. Dank „environmental DNA“, kurz eDNA, wird dies so umfangreich möglich sein wie nie zuvor. Mit eDNA ist das Erbgut gemeint, das Tiere in Umweltproben hinterlassen: Käfer, die durch das Gras krabbeln, Vögel, die auf Ästen rasten, Schmetterlinge, die an Blüten saugen. Jedes Lebewesen hinterlässt dabei unsichtbare Spuren, die durch neue Analysemethoden in Proben erkannt werden können – ohne dass ein einziges Tier gefangen werden muss. Durch diese Verfahren werden zudem nicht nur einzelne, sondern fast alle Arten nachgewiesen, die vor Ort präsent sind oder waren.
Auf dem Versuchsgelände in Trenthorst baut Tanja Sanders dafür gemeinsam mit Kolleginnen aus den Thünen-Instituten für Forstgenetik, Biodiversität und Fischereiökologie und der Stabsstelle Klima, Boden, Biodiversität das EDNA-Lab auf. Messpunkte in Wald und Offenland werden dort langfristig unterschiedliche eDNA-Substrate sammeln, etwa Pollen, Regenwasser oder Pflanzenreste aus Baumhöhlen und Boden. Mit ihrer Hilfe wollen die Wissenschaftlerinnen das Vorkommen von Insekten, Kleinsäugern und Vögeln nachweisen. „Mir ist es wichtig, Methoden des Monitorings weiterzuentwickeln, Synergien zu nutzen und nicht-invasiv zu arbeiten“, betont Tanja Sanders.
Was ihr außerdem an der Forschung liegt: die Teamarbeit. „Ich mag es, Menschen bei Projekten wie EDNA zusammenzubringen, und stehe auch selbst gerne in engem Austausch mit anderen Fachleuten“, sagt Sanders. Besonders wichtig sei ihr dabei die Arbeit im Monitoringprogramm ICP Forests, „meine wissenschaftliche Heimat“. Das Thünen-Institut leitet das Koordinierungszentrum des europaweiten Projekts. Sanders stieg in die Forschung dafür direkt nach dem Studium ein, zunächst in Großbritannien, wo sie auch ein Jahresring-Labor mit aufbaute und ihre Promotion startete. 2011 kehrte sie zurück nach Deutschland zum Thünen-Institut für Waldökosysteme.
Heute sorgt die Waldexpertin auch der Kostendruck, der auf der Wissenschaft lastet, während gleichzeitig immer neue Forschungsfragen drängen. ICP Forests etwa sei vor mehr als 40 Jahren gestartet, um den Zusammenhang von Luftschadstoffen und Baummortalität zu untersuchen. Heute komme dazu noch der Klimawandel, die Bodenversauerung und der starke Rückgang der Biodiversität. „Die Gesellschaft möchte mehr Wissen, aber am besten soll es nichts kosten“, beobachtet sie mit Sorge. Ihr EDNA-Lab bietet zumindest einen Ausweg. Denn das eDNA-Verfahren gilt als hochgradig effizient: Ergebnisse liefert es schnell, präzise und umfassend.
Kontaktdaten:
Thünen-Institut für Waldökosysteme
Alfred-Möller-Straße 1, Haus 41/42
16225 Eberswalde
Telefon: +49 3334 3820 339
E-Mail: tanja.sanders@thuenen.de