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Dr. Stefan Reiser

Fischteiche sind Oasen in der Landschaft

Teiche faszinieren Stefan Reiser schon als Kind: Vom Ufer aus beobachtet die Fische darin – meist Karpfen. Denn der heutige Experte für Binnenfischerei wird im Norden Bayerns groß, in Franken und der Oberpfalz, bedeutenden Regionen der traditionellen Teichwirtschaft. Tausende Karpfenteiche durchziehen dort die Landschaft. „Diese Umgebung hat mein Interesse für Fische und die Fischwirtschaft früh geweckt und war mit ein Grund, weshalb ich mich für meinen Berufsweg entschieden habe“, sagt der Biologe am Thünen-Institut für Fischereiökologie heute.

Für diesen Weg muss er allerdings gen Norden ziehen, zum Studium nach Kiel, wo er sich auf Fischereibiologie spezialisiert. Schon früh interessiert ihn dabei das Tierwohl, heute einer seiner Forschungsschwerpunkte. Damals jedoch war die Frage, ob Fische in Aquakulturen Stress empfinden, noch kaum erforscht. Reiser konnte zeigen, dass schon kleine Maßnahmen helfen, das Wohlbefinden und damit auch das Wachstum der Tiere in derartigen Anlagen zu verbessern – etwa Kies am Boden von Zuchtbecken.

Wie sich Aquakultur, Tierwohl und Ökologie in Einklang bringen lassen, erforscht Reiser seit 2012 am Thünen-Institut für Fischereiökologie, wo er federführend die Forschungsinfrastruktur Aquakultur mit aufbaut. In einer hochmodernen Forschungsanlage können Wissenschaftler*innen zum Beispiel prüfen, wie sich Haltungsbedingungen optimieren und die Nachhaltigkeit in der Fischerzeugung steigern lassen.

Im Landschaftslabor EiLT führt Reiser diese Forschung nun konsequent fort: Im Experimentierfeld Teiche und Wasserentstehen dafür Teiche von je rund einem halben Hektar Fläche. An ihnen lassen sich die Wechselwirkungen zwischen Teich und Agrarflächen erforschen. „Die Teichwirtschaft in Deutschland und Europa hat eine jahrhundertelange Tradition“, erklärt der Wissenschaftler, „allein die Karpfenteiche hierzulande summieren sich auf eine Gesamtfläche von rund 40.000 Hektar, was etwa der Größe des Landes Bremen entspricht. Trotzdem gehören Fischteiche mittlerweile zu den bedrohten Agrarsystemen, weil ihre Bewirtschaftung vielerorts aufgegeben wird.“

In die regionalen Ökosysteme reißt diese Abnahme eine Lücke. Denn Fischteiche sind menschengemachte Systeme: Werden sie nicht bewirtschaftet, verlanden sie innerhalb weniger Jahre. Verloren gehen so nicht nur Orte der nachhaltigen Lebensmittelerzeugung, erklärt Reiser:

„In Agrarlandschaften sind Fischteiche oft Hotspots der Biodiversität, denn im Vergleich zu den umliegenden Ackerflächen beheimaten sie andere Arten, nicht nur Fische, sondern sie bieten auch Lebensraum für Insekten, Weichtiere, Amphibien und Wasservögel.“

Teiche spielen zudem eine bedeutende Rolle für das Klima und den Wasserhaushalt: Sie können als Kohlenstoff-Senke dienen und tragen außerdem zur Bildung von Grundwasser bei. In welchem Umfang sie dies leisten, ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht. „Hierzu wollen wir mit EiLT belastbare Messdaten gewinnen.“

Und das Potenzial von Fischteichen lässt sich sogar noch ausbauen, ist Reiser überzeugt, etwa durch Co-Nutzungsansätze wie die Kombination mit Photovoltaikanlagen. Außerdem will er mit seinem Team überprüfen, ob die Gewässer dabei helfen könnten, Nähr- und Schwebstoffe aufzunehmen, die die umliegenden Ackerflächen belasten.

Auch künftig können Fischteiche also wichtige Aufgaben in der Agrarlandschaft übernehmen, ist Reiser überzeugt: „Dazu müssen wir sie aber neu denken und weiterentwickeln. EiLT bietet dafür einmalige Möglichkeiten.“


Kontaktdaten:

Herwigstraße 31
27572 Bremerhaven

Telefon:    +49 471 94460 279
E-Mail:      stefan.reiser@thuenen.de

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